Kurze Aufsätze

Kurze Aufsätze

Author:
Annette Kolb
Author:
Annette Kolb
Format:
epub
language:
German

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Author: Kolb, Annette, 1870-1967
German essays — 19th century
Kurze Aufsätze

KURZE
AUFSÄTZE
VON
ANNETTE KOLB.

MÜNCHEN 1899.
ZU BEZIEHEN DURCH
ULRICH PUTZE,
BRIENNERSTRASSE 8.

Bruckmann’sche Buch- und Kunstdruckerei, München.

INHALT.

1. Der Zufall Seite 5
2. Der Frosch 15
3. Adam und Eva 19
4. Le revenant 23
5. L’Oracle 29
6. Herbstlied 33
7. Der Walchensee 35
8. Die Heruntergekommenen 39
9. Skizze 43
10. Das Traumbuch 49
Musikalisches:
11. Eine musikalische Betrachtung 57
12. Nemesis 63
13. Skizze über die Stellung des heutigen Pianisten 67
14. Epilog 75

DER ZUFALL?

Was giebt es unvermeidlicheres, berechneteres und dabei natürlicheres wie den Zufall?
Was ist abgefeimter und grausamer oder gütiger? Wir können ihn weder anklagen, noch ihm danken. — Nie können wir ihn überführen, ihm die Maske entreissen und sagen: »Dies hast du gewollt und über mich gebracht.« — Denn die natürlichste Verkettung der Dinge hat es herbeigeführt.
Was sollen wir mit diesem raffinierten Zufall anfangen, der unsere Schritte lenkt und doch nur als ein leerer Schleier in unsern Händen bleibt? — Am besten ist es wohl, ihm zu vertrauen; allein man lernt dies nur nach Jahren, und nach geprüften Jahren. Erst treibt es uns, ihn gewaltsam herbeizuführen, unsern Willen dem seinen gegenüberzustellen, und dann erst wird der Zufall so recht feindselig und allmächtig!
Was hängt er nicht alles an eine Begegnung? Ob wir eine Minute früher oder später in diese Gasse bogen, mag über eine unbeschreibliche Reihe von Unglückstagen entscheiden — sie von uns abwenden oder über uns bringen.
»Es giebt keinen Zufall!« — sagt Schillers Wallenstein. Aber damit sagte er schon zu viel; denn der Zufall entzieht sich uns so fern, dass er nicht einmal diese Behauptung ermöglicht.
Als ich in Paris anfing, mit dem Gedanken umzugehen, ich wäre am liebsten wieder zu Hause, erhielten wir eines Tages aus Marseille einen sorgfältig verpackten Schlüssel und einen Brief. Es war ein Angebot, die Wohnung einer Dame zu beziehen, währenddem diese im Süden weilte und ihr schöner Flügel wurde ganz besonders gerühmt, aber wir machten von all dem keinen Gebrauch, denn es kam so vieles dazwischen.
Da plagte mich eines Morgens ein unverkennbares Heimweh. Wir wohnten in einer jener engen Strassen, die den Himmel versperren und die Menschen zusammendrängen wie auf einem Schiff. Draussen war es regnerisch und schwül, und ich sehnte mich fort; da fühlte ich zufällig unter meinen Fingern den Schlüssel jener Wohnung, und um mich gewaltsam aus der Stimmung zu reissen, in der ich mich befand, machte ich mich zur Stelle auf den Weg nach diesem Hause. —
Als ich aber dort die ziemlich hochgelegene Wohnung betrat, lag sie in so rabenschwarzer Nacht, dass ich alsbald wieder hinunterging, um mir bei dem Concierge ein Licht zu verschaffen.
Dieser hatte indes seine Loge verlassen, und ohne auf ihn zu warten, zündete ich mir eine Kerze an und eilte wieder hinauf. —
Auch nicht ein Schimmer des Tageslichtes drang in diese Räume! Eiserne, verriegelte Läden schlossen es gänzlich ab, und der Lärm von Paris klang da gar seltsam herein, denn öde war es hier! — Als hätte ein Unglück die Bewohner plötzlich vertrieben, so dass sie alles liessen wie es war, nur dem Lichte wehrend, bevor sie flohen. Denn nichts war aufgeräumt. Im ersten Zimmer stand ein blauseidnes Bett aufgeschlagen und bestaubt, vom Baldachin hing eine lange Kordel zerrissen herab. Die Kerze beleuchtete nur immer dürftig eine einzige Stelle, aber im Vorübergehen sah ich Gegenstände verwahrlost herumliegen, zertrümmertes Krystall, zierliche Louis XV.-Möbel und einen offenen Schrank. Es war, als ob hier Diebe gehaust hätten, und als seien sie dann in der Hast über alles davongestiegen. So unheimlich war der Anblick all dieser Zimmer, dass ich, ohne mich länger umzusehen, den Salon suchte, wo der Flügel stehen musste, um dann schleunigst wieder fortzukommen. Ich entdeckte ihn denn auch, zwischen zwei Fenstern stehend und von einer Decke geschützt. Als ich diese zurückschob, hob sich ein Schwarm von vielleicht tausend Flöhen und stieb in gerader Linie auf mich los.
Ich fuhr zurück — wahrscheinlich zu rasch — die Kerze verlosch! —
Was dies für mich bedeutete, war mir sofort klar. Denn ich hatte im unverantwortlichen und unbegreiflichen Leichtsinn die Zündhölzer unten gelassen. —
Nie aber würde ich in dieser Finsternis die Hausthüre finden, und wenn ich sie fände, niemals unterscheiden — den Weg zurück wusste ich nicht. Es waren so viele Zimmer gewesen und kein Gang. Alles ineinand geschachtelt, wie es in französischen Wohnungen oft ist. Ich tastete nach dem Schlüssel, aber der Schrecken hatte mir alle Erinnerung benommen. Ich fand ihn nicht mehr.
Mit den Händen fuhr ich der Wand entlang bis zum Fenster, allein die Läden mussten einen eigenen Verschluss haben und schnitten mir in die Finger, ohne zu rücken. Behutsam ging ich vorwärts, vielleicht drang doch in irgend eine Kammer ein Schimmer von Licht und war von dort aus ein Zeichen möglich, aber überall war Finsternis und Staubgeruch als läge ich tief unter der Erde.
Der Concierge würde den Leuchter kaum vermissen, den ich unter vielen andern aus seiner Loge fortnahm, keinesfalls aber auf mich geraten und die Meinen hatten keine Ahnung wohin ich gegangen war, denn als ich von Hause fortging war ich allein gewesen. — So war zwar meine Rettung lange noch möglich, noch grösser aber die Gefahr, dass ich hier verschlossen und vergessen bliebe.
Meine Wanderungen nach der Hausthüre begannen von neuem. Griffe ich sie, so wollte ich dort stehen und rufen. Allein ich fand sie nicht!
Es liess sich keine Thüre von der andern erkennen, kein Zimmer, keine Kammer. Einige waren versperrt. Wie in einer Falle irrte ich blind umher und wurde immer unfähiger, mich zu orientieren; denn von den Räumlichkeiten hatte ich die Verhältnisse nicht entnommen, und der Ausgangspunkt war mir längs verloren.
So musste ich mich meinem Schicksal ergeben. Die Zeit verging, und wie rings um mich, so war es jetzt auch in meinem Herzen Nacht. Aber statt der Verzweiflung kamen mir da plötzlich Gedanken: Was für einen Sinn hätte denn ein solcher Abschluss? Welche Deutung konnte ich meinem Tode abgewinnen?
In meinem Leben konnte ich nichts entdecken, aber dies Leben selbst erschien mir da merkwürdigerweise wie ein arger Schuldbrief, und ich werde wohl nie mehr so tief und ruhig zu denken vermögen, wie in jenem so hoch über der Erde gelegenem Grab!
Wie spät es geworden sein mochte ahnte ich nicht. Immer wieder begannen meine finsteren Wanderungen, mein Tasten nach Thüren und mein Rufen. Meine eigne Stimme versetzte mich in solche Angst, dass es wie wahnsinnig in meinen Schläfen pochte. Den Hunger sah ich schon als meinen Gefährten, und heiss und blutig drang mir’s nun ins Gehirn. — Und wie betäubt stiess ich zuletzt gegen eine scharfe Kante und empfand etwas Kaltes unter meinen Händen.
Daraus schloss ich, dass ich mich wieder in einem Zimmer befand, denn dies fühlte sich wie ein marmorner Tisch. Ich fasste ihn mit der andern Hand: da durchzuckte mich jäh eine wilde, triumphierende Lebensfreude. Was da meine suchenden Finger ergriffen hatten, war — eine Zündholzschachtel!
Zitternd fachte ich eines an und starrte jetzt auf ein gespenstiges Wesen, das mit hohlen Augen unvergesslich auf mich blickte.
Allein bevor die Angst noch ihre Klammern auf mich legen konnte, gewahrte ich den hohen Spiegel, vor dem ich stand, woran die schmale Marmorplatte angebracht war, an die ich stiess. Lange Kerzen stacken da in Kandelabern, und mechanisch zündete ich sie an; von meinem eignen Bilde keinen Blick verwendend, denn wie von einem Drama war ich hier gefesselt.
Das Entsetzen auf meiner Stirne, die trostlose Ergebenheit meiner Züge, die Todesahnung war auf meinem Gesichte geblieben. Obwohl ich mich gerettet wusste, immer starrte ich noch wie eine Verlorene.
Was hinter diesen weitgeöffneten Augen vorgegangen war, wusste ich so wohl, der schon wie eingefallene Mund, warum er so bitter geschlossen war, das herabgezogene Kinn, der zurückgehaltene Grimm. — Und dabei war mir’s als erschaute ich das Selbsterlebte nun zum erstenmale.
So blieb ich vor dem Spiegel gebannt, bis meine Augen sich verkleinerten und die Farbe, als sei nichts geschehen, sich allmählich wieder einstellte. —
Der Raum, in dem ich mich befand, war ein kleines Durchgangszimmer, und die Begebenheit so einfach und natürlich!
Es hatte hier jemand eine Schachtel Streichhölzer vergessen. Weiter nichts!
Es war eben jener blinde und hundertäugige Zufall, jener unberechenbare Stern, der über unser Leben waltet und es erhält oder vernichtet.
Den Schlüssel, die Thür und den Weg ins Freie hatte ich nun bald gefunden; wieder hinab in das rege Paris.
Die Boulevards schimmerten im Abendrot, und die Knospen der Bäume waren nach dem Regen hold geschwellt.

DER FROSCH.

Ein Frosch sass im nassen Grase, befriedigt und wohl aufgeblähet, denn er hatte eben gespeist, und da ihm das Verschmauste wohl bekam, so fühlte er sich nicht ungeneigt zu philosophieren, zwinkerte behaglich mit seinen feuchten Augen und dachte:
»Was ist doch die Welt so seriöse! — und machen sie alle so fatale Mienen, statt das Leben frisch zu nehmen wie es ist! Ich bin zufrieden, und mir geht es gut; auch nehme ich die Dinge wie sie kommen!«
Und obwohl er schon zu viel gegessen hatte, schnappte er noch im Übermute nach einer Fliege, die des Weges flog, und verzog dann sein breites Maul zu einem superiorem Lächeln: Es war doch wirklich alles zu dumm!
So hockte er froh an des Teiches Rand, blickte in die laue Luft und hiess die Weltordnung gut. Libellen hingen und schwirrten, dicke Waldschnecken schleppten sich fort, ein Vöglein jammerte und eine hagere Katze schlich umher. Alles beobachtete und genoss der Frosch als heitrer Skeptiker und Bon-vivant und plumpste dann wieder in den Teich.
Von Tag zu Tag aber gedieh er, zum Verderben zahlloser Mückchen, die enthusiastisch in der Sonne schillerten. — Kein Wunder, wenn sich der Frosch da »hatte« und seine Lebensanschauung sich zu einem immer insolenterem System abrundete!
Und unumwölkt floss sein Dasein dahin, denn jeder ist selbst seines Glückes Schmied.

ADAM UND EVA.

Die Nacht senkte sich vor der Vertriebnen Augen, und nach harter Tagesmühe ruhten sie.
Trauer umfloss der Gefallenen Antlitz, und ob des Menschengeschlechtes drang eiserne Schwermut auf sie ein. Keine Thräne hatte noch das Weib; es barg und vertiefte sich das Weh der Erde in ihrem Schosse zur Melancholie, und wortescheu verblieb der Mann, als er sich hingewiesen sah an die harte, unbekannte Scholle, an die unerbittliche Sonne und dem süssen Mond; aber der Welt Zukunft und Not starrte in seinem Geist.
Dies Paar, ach! war der Atlas!
Das Echo seiner Qual durchdrang den hellen Sinn der Griechen, und eine Weltkugel wälzten sie dem GOTTE auf die Schulter, allein ein Menschenpaar ist es gewesen, das einst die Last des Werdens kostete und trug.

LE REVENANT.

Une nuit je crus errer eu rève dans des siècles passés, et je vis des hommes et des femmes dans leur vie journalière. Je vis des enfants joner, un laquais endormi sur un siège, puis des fruits dans une coupe étrange et soudain sur un balcon trempé de pluie une jeune dame enveloppée dans une grande robe rose et une mante noire.
Mon esprit alors fut pris d’un vertige! — et sentant mon rève, je voulus m’en soustraire en le secouant; mais lui aussi-tôt, se faisant plus confus, devint si pesant, que le coeur oppressé, je le subis. —
Alors je me vis appuyé contre une fenêtre à ogives à la nuit tombante dans une salle. Brusquement tout au fond une porte s’entr’ouvrit, et un chien s’élança, de ces beaux chiens de chasse! il s’arrèta inquiet, les yeux flambants; puis d’un mouvement jeune et violent, fou de vie et de joie, il se retourna, se jeta vers la porte, et frappant le parquet bruyamment de sa queue, il attendit, guetta plutôt, pour s’élancer sur un homme qui entrait. —
Lorsque je vis cet homme qui entrait, je sentis mes lèvres trembler de tristesse. L’on eut dit la vie même, et c’était un mort! —
Ah! si vous l’aviez vu s’avancer d’un pas rapide en tournant vers sou chien une figure d’un contour si vif et d’une ciselure si étroite, que cette tête si noire se détachait des ténèbres comme une tache blanche, tant elle était ardente! l’illusion, je vous assure, vous eut gagné, tout comme moi: cas la vie affluait dans chacun de ses gestes; ses yeux étaient chargés et lourds comme certaines fleurs, et sur cette figure fougueuse, le regard était préocupé et rentré, comme pour se poser très-loin sur une vision qui revenait toujours, et faisait sourire malgré lui, sa bouche songeuse et cruelle! — La mort, me disai-je, la mort! —
Je me sentais si chétif près de cet être si beau, pourtant je vivais moi! n’était-ce pas mieux que ce splendide mirage?
La mort!? — mais ce mot même tombait vide devant un pareil revenant!
Ce fut alors, qu’il marcha droit vers la fenêtre, où je me tenais et que mes yeux purent plonger dans les siens pour, en chercher l’énigme. Mais hélas! qu’ils étaient loins, et comme mon coeur se serra! une grande douleur fit tomber mes paupières qui brûlaient, et je sentis alors s’approcher de moi, et m’envelopper comme l’haleine du Printemps; je crus respirer toutes les aubépines des bois, et sentir un ciel, des sapins, et des ruisseaux clairs: je vis une truite tachetée de rose, et de l’herbe fraîche et mouillée; et une si afreuse nostalgie passa dans mes veines, que j’étendis un bras éploré vers le spectre, dont la vie m’avait ainsi troublé. Mais lui, quoique sa main pesât sur mon épaule, son regard, qui semblait déborder, se détournait toujours. — Et, voulant jeter un cri d’ angoisse, qui ne fut qu’un souffle, je lui dis: «Je suis lá!» et tout mon être passa dans ces pauvres paroles! L’homme tressaillit, et changeant d’attitude, sa main tomba. Mais en ce moment même il y eut un bruit dans la cour, et je le vis se retourner, faire signe à son chien, et sortir. Ni l’un ni l’autre ne m’avaient vu. —
Et alors la Nuit se fit plus profonde, et mon coeur plus froid. Seul mon cerveau s’allumait et marcha.
Regarde! dit-il à mes yeux devenus fixes de terreur, regarde sous ces ténèbres croissans cette salle inconnue, et vois ces meubles bizarres! Que peuvent ils te rappeler?
Rien! sonna-t-il. Puis toutes les roues de mon cerveau s’ébranlérent avec une vitesse infernale, et j’entendis un glas frapper au fond de moi-même: LE REVENANT, C’ÉTAIT MOI!
1893

L’ORACLE.

Elle était grande et laide, une roche informe et nue, qu’elle hit éclairée ou à l’ombre, toujours triste.
Un homme s’y égara un soir, mais perdant pied aussitôt il mourut victime, lui fort et pensant, de cette grande chose inerte et brute, et personne ne la montait plus. Elle demenrait à l’ombre le plus souvent des grandes cimes autour, et le soleil ni la lune ne l’aimaient. Seule la neige s’y plaquait lourde et compacte!
Or en une nuit de lune et de Vent (le monde déjà était vieux) quelque chose remua au fond du rocher, et l’emplit soudain, comme d’un profond soupir. Ce ne fut qu’un instant! quelques caillons roulèrent et un peu de neige bleuâtre se détacha. Ce fut tout.
Mais en cet instant si vague, et d’infinie lourdeur — le rocher subit sa propre tristesse sourdement, comme la plante comme s’éveille l’aloès du fond de sa torpeur, c’est ainsi que sa propre Enigme vint saisir la montagne et lui révéla son Mystère, les liens occultes, qui la liaient aux longs chagrins et aux incurables misères, à tout ce qui est noir ou navrant dans la création.
Tout cela l’enveloppa comme d’une Ombre Géante. Et un accord vibra en ce domaine silencieux! Une source s’agita affolée! elle mouta brûlante et profonde jusque à l’ivresse, pour tarir aussitôt.
Mais la Terre — si rèveuse en ces nuits de Lune et de Vent tressaillit et appela. Alors des milliers d’ombres se dégagèrent des plis de Ténèbres et s’agitèrent autour du rocher éteint pour saluer l’Idée — le Symbole — l’Oracle enfin qui venait de parler.
1893

HERBSTLIED.

Herbstlich sinkt der Tag nun.
Herbstfarb’nes Licht, so sanft wie süsser Ton,
Zart wie bedeutsamer Traum,
Der uns beglückend streifte in der Flucht.
Ach weile, guter Herbst!
Dein ist der tönendste Ton im Jahr!
Musik der Dämmerung ist deine Stunde,
Beruhigte Leidenschaft dein tiefer Blick.
Ist Verfall dein Sinn?
Oder lächelst du über den Tod? —

DER WALCHENSEE.

Die Berge zogen ihre hohen, sanften Linien in der bleichen Dämmerung. Ahnungsvoll schien jede Senkung, jede Matte, jeder Schatten, und stumm hielten die Tannen hart am Ufer Wacht. Und Luna zog langsam mit ihrem Gefolge weissgeballter Wolken hinter den Spitzen der Berge einher.
Kein Sternengefunkel störte noch des Himmels Ruh’! Und wie tief kündete sich da die Nacht, wie fern schien da Aurora, als käme nimmer der frühe Tau, noch die strahlende Sonne zurück.
»Ach!« seufzte da eines Menschen Stimme, »käme nimmer der Morgen!«
Doch plötzliches Entsetzen fasste ihn alsbald, und starre Angst trieb ihn dem Gestade entlang, war es ihm doch, als hätte er hier Schatten ins Bewusstsein gerufen und aufgescheucht, als sei ihm das verhängnisvolle Wort entfahren, das diesem See und dieser Natur geheimnisvoll zu Grunde lag, und als seufzte nun alles rings um ihn, von jeder Felswand rauschend und vom Strande wiederhallend, ein traumversunkenes und im Traum gefundenes Echo:

Ach, käme nimmer der Morgen!
Käme nimmer der Morgen!

DIE HERUNTERGEKOMMENEN.

Als die Nacht hereingebrochen war und der kalte Zug durch die Fensterspalten blies, da wurde es auch stille in dem langen Gang, wo die Ahnenbilder hingen unverrückt an der dunklen Wand und die Finsternis über sich ergehen liessen wie über ihre Gräber

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