Jugend, Liebe und Leben / Körperliche, seelische und sittliche Forderungen der Gegenwart

Jugend, Liebe und Leben / Körperliche, seelische und sittliche Forderungen der Gegenwart

Author:
Emil Peters
Author:
Emil Peters
Format:
epub
language:
German

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Author: Peters, Emil
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Jugend, Liebe und Leben
Körperliche, seelische und sittliche Forderungen der Gegenwart

Vorwort zur zweiten Auflage.

ies Buch, das in seiner ersten Auflage „Wenn ihr ins Leben tretet!“ hieß, erscheint in seiner zweiten Auflage unter neuem Titel und in anderem Gewande. Es entspricht darin mehr den Vorträgen, die ich allerorten hielt.

Der Gegenstand ist ernst und schwer in seiner Darstellung. Es gibt Dinge, die so grenzenlos traurig und häßlich sind, daß die Feder oft zögert, sie niederzuschreiben. Aber wer, wie ich, das Menschenleben zu schöneren, höheren und edleren Formen bringen will, der darf, wo er das Licht zeichnet, auch die Schatten zu malen nicht vergessen. Jugend und Liebe – sie sind beide das Licht, das leuchtend und glückselig eine Weile über unserem Wege steht. Aber Irrtum und Schuld verschlingen die unglückseligen Hände und reißen die Menschen in die Tiefen, wo in Unglück und Krankheit, in Nacht und Chaos die Liebe erstickt.

Das Häßliche ist hier wahrlich nicht um des Häßlichen willen geschildert worden. Nein, die Feder stockt dabei, und Scham durchzog den Sinn. Aber mutig galt es die Aufgabe zu lösen und jungen Menschen, die klopfenden Herzens vor dem Wundergarten der Liebe stehen, den rechten Weg zu zeigen.

Wer das Dunkel geschaut, dessen Auge ist dankbar für das Licht. So soll dies Buch verstanden sein.

Nicht ein „Aufklärungsbuch“ im landesüblichen Sinne soll es sein. Es soll nicht mit kaltem Verstande Dinge sagen, die zu wissen noch nicht sittliche Kraft bedeuten. Weh uns, wenn Wissen und Verstand der Liebe die Tiefen rauben, wenn wir nicht mehr erröten und die Rätsel der Liebe uns nicht mehr die Pulse stocken machen! Nicht dem Verstand und dem kalten Wissen – nein, der Seele wollte ich die Geheimnisse junger Liebe ablauschen. Was nutzt „Aufklärung“, wo die seelenvolle Menschlichkeit, die sittliche Persönlichkeit fehlt! Erzieherisch ging ich zu Werke, von innen – nicht von außen her.

Worte und Begriffe sind dem Verständnis junger Menschen angepaßt. Eltern mögen das Buch schulentlassenen Jünglingen in die Hand geben. Es soll ihnen Wegweiser sein. Und wenn die traurigen und schreckensvollen Dinge dieses Buches auch mit Wehmut ihre Seele füllen und in den Freudenkelch der Jugend bittere Tropfen fallen, so wird die Wahrheit doch denen nicht den Zauber junger Liebe rauben, die „frei von Schuld und Fehle“ mit diesem Buche den glücklichen Weg des Reinen gehen.

Neuenhagen (Ostbahn) bei Berlin.

Emil Peters.

Erster Teil.
Die einsamen Triebverirrungen der Jugend.
 
Einleitung.

ir wollen miteinander über Dinge sprechen, über die man eigentlich – nicht spricht. Jedenfalls nicht allgemein und vor allem nicht so, wie man über andere Dinge spricht. Das ist das Geschlechtliche.

Wie merkwürdig, daß es etwas im Menschenleben gibt, von dem es scheint, daß es verborgen werden müßte. Und doch ist es nicht weniger natürlich, als alles andere, ja, natürlicher und selbstverständlicher wohl. Aber wer viel in der Irre ging, der findet nachher den rechten Weg nicht mehr. So haben die Menschen in den geschlechtliche Dingen durch viel, viel Irrtümer eine Wirrnis geschaffen, in der nun mancher nicht ein und aus weiß. Er möchte fragen, den oder jenen: „Was ist’s mit der Geschlechtlichkeit? Mit all den aufsteigenden Empfindungen, die mich quälen und freuen, die mir unruhige Stunden machen und bunte Bilder vorgaukeln?“

Aber wen soll er, ja, wen darf er fragen? Der Frage folgt Schweigen oder verlegenes Lächeln. Das Leben hat den Erwachsenen die Antwort schwer gemacht. Trübe Ereignisse und Reue verstellen der Wahrheit den Weg.

Aber wer in Gefahr war, sollte den Neuankommenden warnen. Wer strauchelte, sollte verhüten, daß auch der andere strauchelt. Darum ist es nicht gut, wenn du noch unbelehrt und ungewarnt bist.

Ich will niemandem einen Vorwurf machen, am allerwenigsten deinen Eltern oder deinen Lehrern. Sie haben dich gefördert, wie sie nur konnten. Aber dies Geschlechtliche, siehst du, nimmt in allen Dingen des Lebens eine Ausnahmestellung ein. Es schlummert in ihm – und darum auch in dir – etwas Gefährliches, das man durch Schweigen dämpfen möchte; denn niemand kann sagen, ob Glück oder Unglück daraus entspringt.

Ich aber meine, im Dunkeln sei kein Weg zu finden. Licht soll auf alle Lebenswege fallen. Darum will ich dir die Wahrheit sagen, will mit dir über ein paar Lebensfragen sprechen, damit dein Leben Halt und Festigkeit und Richtung bekommt. Und insbesondere will ich dir alle deine stummen Fragen beantworten, die scheu und geheimnisvoll-verlegen dem Geschlechtlichen entsteigen und neugierig das Geschlechtliche umflattern.

1.
Vom Sinn des Lebens.

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, welchen Sinn wohl das Leben haben könne? Ja, hast du versucht, die Lebenserscheinungen denkend zu einer Lebens-„Anschauung“, zu einem Lebensbild, zu vereinigen und dein eigenes Denken und Tun mit diesem Lebensbild in Einklang zu bringen?

Ich glaube nicht. Denn das Elternhaus hat dich treusorgend bewahrt. Den Tisch fandest du stets gedeckt, und manche Sorge ums Alltägliche und um das, was die nächsten Tage bringen werden, haben die Eltern dir ferngehalten und allein ihre Stunden damit ausgefüllt, während du lachen und scherzen oder schlafen konntest. Die Schule setzte dir fertiges Wissen vor. Du nahmst, was andere gedacht, und warst des eigenen, tieferen Denkens enthoben.

Nun aber trittst du ins Leben hinaus. Nun beginnt auch für dich der Kampf. Die Pflichten mehren sich, und der Tag ist nicht mehr fern, an dem auch deine Schultern tragen sollen, was ein Mensch zu tragen vermag. Und zeitweilig noch mehr. Da gilt es, Kräfte zu sparen und stark zu werden, um mutig und aufrecht den Lebensstürmen zu trotzen.

Es mag ein banges Zagen dich beschleichen, wenn du daran denkst, bald ganz auf dich allein gestellt zu sein. Du zweifelst, ob deine Kräfte ausreichen werden. Aber sei getrost! Nicht als ein Fertiger tritt der Mensch an seine Aufgaben heran, sondern die Pflicht steigert die Kraft. Alles in der Natur und im Leben ist ein Werden, ein Wachsen. Alles Leben ringt nach Vollendung und vollendet sich im Kampf. Der Starke triumphiert im Kampf, bleibt Sieger. Den Schwachen zerbricht das Leben.

Wohlan! Sei ein Starker! Fasse Mut, und freue dich der wachsenden Kraft! Kleine Widerstände geben dir Mut, dich an großen zu messen, und ehe ein paar Jahre ins Land gegangen, schaust du deinen Weg zurück und lachst der Zaghaftigkeit, die dich heute beschleicht.

Und da haben wir schon einen Blick aufs Ganze. Da sehen wir schon Richtung und Weg und Ziel, und langsam formt sich aus den Nebeln der Unreife und Unklarheit ein Lebensbild.

Schau um dich in der Natur! Roh und formlos ist der Anfang. Gott aber blies allem seinen „lebendigen Odem“ ein. Was heißt das? Das heißt, daß in die brodelnden Urgewalten das Gesetz der Entwicklung hineingeworfen wurde, daß eine unendliche Harmonisierung den Lauf des Lebens begleitet, daß alles, was in die Bahn des Lebens geworfen wird, um seines Daseins Kreise zu vollenden, dem Göttlichen sich entgegen entwickeln soll.

So gehörst du nicht dir selbst, du bist ein Teil des Weltgeschehens, bist eine von den zahllosen Formen, in denen die Natur das Leben neu erzeugt, und in dir schlummert der göttliche Funke, der dich zum Menschen macht, der Funke, der durch dein Leben zur Flamme angeblasen werden soll, die dich läutert. Dieser göttliche Funke ist dein Gewissen, ist das Menschheitsgewissen, jener oberste Richter über Gut und Böse, der Ewigkeitsgesetze geschrieben hat und heute wie vor Tausenden von Jahren herrscht.

Die Menschen leben um des Besten willen. Die Entwicklung geht den Weg des Guten; denn das Gute ist die Entwicklung. Das Schlechte stirbt in sich, weil es dem Gesetz der Entwicklung widerstrebt.

So siehst du, werden wir Menschen durch ein geheimnisvolles und gewaltiges Gesetz geführt. Dies Gesetz, der sittliche Grundgedanke, zeichnet der Entwicklung ihren Weg. Wer sich gegen dies Gesetz vergeht, sei es, daß er dem unkontrollierten Genuß des Augenblicks huldigt, oder im materiellen Vorteil das Gewissen schweigen heißt, der versündigt sich gegen die Majestät der Menschheit, und er fühlt den leisen Mahner in seinem Innern, der ihm sagt. „Das durftest du nicht tun.“ –

Diese Sauberkeit und Klarheit des Gewissens mußt du dir erhalten, denn damit hast du die nötige Festigkeit in dir, um jenen Hohlköpfen und Wichten zu begegnen, die ihr Leben auf sich selbst, und damit auf nichts, gestellt haben; denn sie sind nichts, und das „Ich“, das sie in ihrer Phrase vom „Sichausleben“ in den Vordergrund drängen, ist wie eine taube Nuß. Je weniger fest und stark das Leben im Innern ist, desto ruheloser und schwankender wird es nach außen. Darum gerade verfallen sie einem unruhevollen Geschlechtsgenuß und ertränken ihr Gewissen in Lärm und Alkohol und vielen Phrasen von „Individualität“ und „Männlichkeit“. Diese Worte aber sind nichts als Angst und sind ein Versuch, den Starken, der wie ein stiller Vorwurf neben ihnen herschreitet, aus dem Wege zu räumen, das heißt, durch philosophische Phrasen zu sich hinabzuzerren und für ihre eigene Hohlheit breitzuschlagen.

Wenn du diesen Menschen begegnest, so wehre dich gegen sie! Wenn sie dir sagen. „Der Mensch gehört sich selbst, und niemand ist Richter über ihn,“ so antworte ihnen: „Nein! das Leben ist ein Geschenk der Natur. Niemand ist auf sich selbst gestellt, niemand gehört sich selbst. Feine Fäden verbinden die Menschheit in Glück und Leid miteinander, und jede schlechte Tat vermehrt das Leid und das Unglück, jede gute Tat aber ist ein kleiner Schritt weiter auf dem Wege der Bereicherung und Verschönerung des Lebens.“

2.
Volkstum.

Tiefgreifende Besonderheiten haben von jeher die Menschheit in Rassen und Völker geschieden.

Du gehörst dem deutschen Volke an! Vergiß das nicht! Und vergiß nicht, wenn du das Wort „Deutsch“ sprichst, daß es nicht eben bloß ein Wort ist wie tausend andere, sondern daß es aus fernen Jahrtausenden zu uns herübertönt mit ehernem Klang, einer Fanfare gleich, die schmetternd zum Appell ruft.

Deutsch sein! Diesem Schlachtruf unterlagen die römischen Legionen in den finsteren germanischen Wäldern. Für diesen Begriff blutete Deutschland aus immer wieder frischen Wunden. Unter diesem Zeichen siegten wir und wurde unser Volk stark und groß. Deutsch sein! das ist nicht ein bloßes Wort, nein, das ist Blut und Mark und Saft von besonderer Art. Die Form des Kopfes, Farbe und Glanz des Auges, Empfindung, Denken und Tun: all das ist deutsch, ist anders als das der anderen Völker. Um dies Deutschsein haben Tausende auf rauchenden Schlachtfeldern gelitten und gestritten, Tausende haben sich in der Ferne in Sehnsucht nach der Heimat verzehrt, und Jubel und Jauchzen erfüllte ihre Brust, wenn sie an Rückkehr denken durften.

Deutsch sein! dafür haben wir vier Jahre lang dem Ansturm einer ganzen Welt standgehalten, bis das Aufgeben dieses Deutschseins uns die Waffen aus den Händen schlug, uns wehrlos machte, daß wir zusammen brachen.

Nun merke auf! Es gibt Menschen von fremder, heimatloser Art um dich und charakterlose Schwätzer, die deinen Rassen- und Volksbegriff leugnen und zerstören möchten. Sie setzen viel hohle Phrasen an die Stelle des greifbaren Volkstums. Laß dir dies Rassen- und Volksbewußtsein, diesen völkischen Stolz, nicht rauben! Schlage die Blätter der Weltgeschichte um! Blatt für Blatt erkennst du das gewaltige Ringen der Völker um ihre angestammte Art. Und du erkennst, daß nur dann ein Volk stark nach außen sein kann, wenn es zugleich stark nach innen ist, gesund und fest in seinem Kern und sittenstark. Die sittliche Kraft in einem Volke war stets auch seine politische Kraft. An der Sittenlosigkeit, in der geschlechtlichen Ausschweifung, gingen die Völker, die Staatengebilde zugrunde. Kennst du das Beispiel Roms? Lerne es fürchten! Weißt du, daß die morsche, sinnliche römische Kultur dem Ansturm Odoakers erlag, der mit den heldenhaften und sittenstrengen Söhnen der germanischen Wälder heranrückte? Lerne dies deutsche Volk um seiner großen Vergangenheit und seiner Tugenden willen lieben! Aber zugleich beobachte, daß der Sittenverfall auch bei uns sich ausbreitet, daß zerstörende Mächte an den alten, festen Grundlagen unserer Volksart tätig waren, und daß wir längst im Innern morsch waren, ehe die Übermacht der Feinde uns auf die Knie zwang.

Nun aber wollen wir wieder hochkommen, wollen wieder die Schmach von uns abwaschen, wollen unsere Kraft und unsere Ehre wiedergewinnen – und dazu muß jeder Einzelne bei sich selber anfangen. Sittliche Reinheit! so heißt der Wahlspruch.

Hier hast du ein zweites Lebensziel: Liebe dein Volk und lebe für dich so, wie du möchtest, daß das Ganze sei: stark und gesund und rein. Was nützen all die schönen Worte von Vaterland und Volk und Ruhm und Zukunft, wenn nicht jeder Einzelne sein Teil Verantwortung für das Ganze in sich trägt und danach lebt.

Dem politischen Ehrgeiz eines Volkes muß eine gesunde und sittliche Lebenshaltung die treibenden Kräfte geben. Darum ist es betrübend, zu sehen, wie Staatsmänner und Politiker starke Worte machen und heftige, erbitterte Parteikämpfe ausfechten, ohne doch der Notwendigkeit zu gedenken, daß all dies Mühen nur ein Tageserfolg ist, wenn er nicht aus der klug gepflegten Volkskraft dauernd gespeist werden kann. Eine zahlreiche, körperlich und sittlich starke Jugend ist der Lebensquell des Volkes, und dies Bewußtsein muß jeder junge Mensch in sich tragen.

Du siehst, auch hier gehörst du nicht dir selbst. Ein zweiter Wegzeiger ist in deinem Leben. Er zeigt auf dein Volk. Ihm gehörst du mit deiner ganzen Art, mit Leib und Seele, mit dem Wollen und Wünschen. Und darum muß dein Leben sich so gestalten, daß es deinem Volke nicht Schaden bringt.

3.
Die Familie.

Von der Volkseinheit und -Eigenart trennt sich die Einheit und Eigenart der Familie ab. Und hier erblüht dem Baume deutscher Art die schönste Blüte: das deutsche Familienleben. Wie ist es besungen worden, und wieviel schöne Erinnerungen an das Elternhaus tragen wir mit uns in das Leben hinein. Sorgende Liebe erfüllt die Räume. Milde und Strenge paaren sich, um die Buben und Mädchen zu bilden zu tüchtigen Menschen, damit sie einen Platz im Leben ausfüllen können. Und jeder von ihnen tritt in das Leben hinaus und wird und will wieder eine Familie gründen. Was er zu Hause Gutes sah, pflegt er weiter und verbindet’s mit Neuem. Wohl ihm, wenn er nur Gutes sah, wenn recht viel gute Erinnerungen ihn begleiten. Was die Eltern Gutes an ihren Kindern gewollt, das müssen die Kinder zu erreichen trachten. Denn darin liegt ein Dank für die dahingegangenen Geschlechter und ein großes, starkes Versprechen an die kommenden. Die Eltern denken Gutes von dir, die Brüder und Schwestern tun es auch. Wie kannst du darum Schlechtes tun und dann ein schlimmes Geheimnis mit dir herumtragen, das zu verraten du kaum den Mut findest? Die Familie ist der Hort der guten Sitten. Ehre die Stätte, der du entstammst, und tue nichts, was nicht jeder wissen darf.

Zum dritten Mal stecke ich dir ein Lebensziel, zeige dir einen Maßstab und eine Grenze deines Tuns: deine Zugehörigkeit zur Familie. Zum dritten Male sage ich dir, daß du nicht dir selbst gehörst, sondern gebunden bist im Denken und Tun an die Gesamtheit, an die Familie, an das Volk, an die Menschen überhaupt. Dein Wohl ist das der anderen. Die Kraft und die Ehre der Gesamtheit liegen für dein Teil in deiner Hand.

4.
Das „Ich“ und die Freiheit.

Du wirst mir entgegenhalten. „Bin ich, ich selbst, denn gar nichts, daß ich nur aufgehen soll im Ganzen? Daß ich immer nur an die anderen denken soll?“

Ja, du bist, und dein „Ich“ soll stark und stolz dir zum Bewußtsein kommen. Nicht niederdrücken, schwach und zage machen soll dich deine Zusammengehörigkeit zur Familie, zu Volk und Menschheit, nein, aufrecht und freudig sollst du es empfinden; denn in dir verkörpert sich die Familie, in deiner Art erkenne ich ihre Art, in dir lebt die Art des ganzen Volkes, in dir glüht der heilige Funke der Menschheit. Das Leben drängt sich immer wieder, um neu zu erblühen, in eine enge Form, das ist der persönliche Mensch, das Individuum. Der persönliche Mensch ist die höchste Steigerung der Natur, ist der höchste Wille der Schöpfung.

Dieser persönliche Mensch muß frei sein. Damit meine ich nicht jene rohe Freiheit, die sich hinwegsetzt über gesetzliche und gesellschaftliche Schranken. Das ist Willkür und rohes Triebleben. Diese rücksichtslose Freiheit, die da glaubt, alles tun zu dürfen, was ihr in die Sinne steigt, ist doch nur bemitleidenswerte Gebundenheit an die Tiernatur. Ich meine vielmehr jene sittliche Freiheit, die mit einem geschlossenen Willen sich der Gedankenlosigkeit der Menge entgegenstemmt. Die Freiheit, in der im Gehorsam gegen selbstdiktierte sittliche Gesetze der Mensch triumphiert. Diese Überlegenheit über die Gedankenlosigkeit, das stumpfe Triebleben, die oberflächliche Genußsucht anderer, ist wahrhaftig Freiheit, eine Freiheit, die in wichtigen Lebensfragen nur sich selbst befiehlt und gehorcht, keinem andern, am allerwenigsten der Menge. Der Geist muß wach bleiben und muß mit heller, scharfer Kritik über die Regungen der Sinne wachen. Der Gedankenlose verliert sich an die stumpfen und dumpfen Triebe der Menge. Er glaubt dann Freiheit gefunden zu haben und verlor doch nur sein „Ich“, seine Persönlichkeit. Du siehst also, daß das „Ich“ nur triumphiert, wenn es sich selbst Gesetze gibt. Darum darfst du nicht aufgehen in der Menge, die dich hinabzieht, sondern mußt jenen Größten nacheifern, in denen unseres Volkes Art sich am reinsten verkörperte. „Die Menschen leben um des Größten willen,“ sagt Carlyle. In ihnen glüht der göttliche Funke des Menschentums am stärksten. Hast du Vorbilder, so gehst du mit deinem Wollen auf in der Menschheit, im Volk, in der Familie. Du hast damit starke und große Ideale in dein Leben hineingestellt, und diese Ideale werden dich erziehen. So, siehst du, ist das ausgeprägte „Ich“, ist der persönliche Mensch, der höchste Wille zum Guten. Indem du stolz dein „Ich“ erhebst, beugst du dich unter das große Entwicklungsgesetz der Menschheit.

5.
Die Fortpflanzung.

Alles Leben hat nur eine Quelle: die Fortpflanzung. Und sie ist umwoben und durchflochten von der Liebe, von jenem wunderbaren Empfindungsgewoge, das unser Leben schön und glücklich macht; oder auch häßlich und traurig und unglücklich. Wie man’s lebt.

Die Natur schuf zwei Geschlechter. Und an dem Gegensatz zwischen männlicher und weiblicher Art erkennst du, wie unbeholfen und roh die Auffassung derer ist, die das Geschlecht nur als etwas Körperliches sehen, die beim Worte „Geschlecht“ nur an Geschlechtsorgane denken. Schon beim Spiel der Kinder unterscheidet sich der wilde Wagemut des Knaben von der stilleren Art der Mädchen. Das ist wie ein Symbol fürs ganze Leben. Das Geschlechtliche wurzelt tief in der Seele, und du darfst es nicht so ohnehin als das bloß Sinnliche auffassen. Denn es ist mit dem ganzen Körper, mit allen Sinnen, mit dem Denken und Fühlen innig verwebt und verschmolzen. Der Mann denkt, fühlt, urteilt, handelt anders als die Frau. Das eben ist der tiefgreifende Geschlechtsunterschied zwischen beiden, der jedem eine andere Stellung in der Natur und in der Welt und darum auch eine andere Gefühlswelt gibt.

In Mann und Weib verschmilzt das geheimnisvoll-ewige Sehnen der Menschheit nach Vollendung. Denn jedes der beiden Geschlechter birgt eine Hälfte menschlicher Eigenschaften in sich. Der Mann Kraft, Mut, Wille, Entschluß, Edelmut, Ritterlichkeit; das Weib Milde, Sanftmut, Mutterliebe, Gefühlstiefe; beide aber Treue, Schamhaftigkeit, Ehrgefühl. Das eine Geschlecht sehnt sich nach dem andern, um zu gewinnen, was es nicht hat, sich so zu ergänzen, zu vervollkommnen. Dieser tiefe Lebenswille der Natur lebt in beiden, und der Fortpflanzung entsteigt das

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