Der Gärtner

Der Gärtner

Author:
Rabindranath Tagore
Author:
Rabindranath Tagore
Format:
epub
language:
German

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Author: Tagore, Rabindranath, 1861-1941
Tagore
Rabindranath
1861-1941 — Translations into German
Bengali poetry — Translations into German
Indic poetry — Translations into German
Der Gärtner
RABINDRANATH TAGORE

DER GÄRTNER

MÜNCHEN
KURT WOLFF VERLAG
Einzig autorisierte deutsche Ausgabe. Nach der von Rabindranath Tagore selbst veranstalteten englischen Ausgabe ins Deutsche übertragen von Hans Effenberger
69.-78. Tausend
Copyright 1921 by Kurt Wolff Verlag A.-G. in München

VORWORT DES DICHTERS

Der größte Teil der Liebes- und Lebenslyrik in diesem Bande ist vor der religiösen Gedichtsammlung „Gitanjali“ entstanden. Die englische Übersetzung ist nicht immer wörtlich — die Originale sind manchmal verkürzt und manchmal paraphrasiert wiedergegeben.
*

DER GÄRTNER

Diener
Hab Erbarmen mit Deinem Diener, Königin!
Königin
Vorüber ist das Fest, und alle meine Diener sind gegangen. Warum kommst Du zu dieser späten Stunde?
Diener
Hast Du die andern fortgeschickt, ist meine Zeit.
Ich komme fragen, was Deinem letzten Diener noch zu tun bleibt.
Königin
Was kannst Du erwarten, da es zu spät ist?
Diener
Mach mich zum Gärtner Deines Blumengartens.

Königin
Welche Torheit!
Diener
Ich will meine alte Arbeit aufgeben.
Ich werfe Schwert und Lanze in den Staub. Schicke mich nicht mehr an ferne Höfe; heiß mich nicht zu neuen Siegen ausziehn. Mach mich zum Gärtner Deines Blumengartens.
Königin
Was würden Deine Pflichten sein?
Diener
Dir dienen in Deinen müßigen Tagen.
Ich will frisch halten den Rasenpfad, auf dem Du in den Morgen wandelst, wo Blumen, todessüchtig, bei jedem Schritte Deine Füße jubelnd grüßen.
Ich will Dich schwingen in einer Schaukel unter den Zweigen des Saptaparna, wo durch das Laub der frühe Abendmond sich mühen wird, Dir Deines Kleides Saum zu küssen.
Ich will anfüllen mit duftendem Öl die Lampe, die neben Deinem Bette brennt, und den Schemel Deiner Füße zieren mit Sandel- und Safranpaste in seltsamer Zeichnung.
Königin
Was soll Dein Lohn sein?
Diener
Deine kleinen Fäuste halten dürfen wie zarte Lotosknospen, und Blumenketten über Deine Gelenke streifen; und Deiner Füße Sohlen färben dürfen mit dem roten Saft der Ashokablüten und fortküssen das Fleckchen Staub, das dort vielleicht noch zögert.
Königin
Deine Bitten, mein Diener, sind gewährt, Du wirst der Gärtner meines Blumengartens sein.

2

Dichter, der Abend zieht herauf; Dein Haar wird grau.
„Vernimmst Du in Deinem einsamen Sinnen Botschaft vom Jenseits?“


„Es ist Abend“, sagte der Dichter, „und ich lausche, weil einer rufen kann vom Dorfe, mag es auch spät sein.
„Ich wache: ob junge, irrende Herzen sich finden, und zwei Paare sehnsüchtiger Augen um Musik betteln, die ihr Schweigen bräche und für sie redete.
„Wer soll ihre Leidenschaft zu Liedern weben, wenn ich am Gestade des Lebens sitze und den Tod und das Drüben betrachte?


„Der frühe Abendstern verschwindet.
„Das Glosen eines Totenfeuers stirbt mählich am schweigenden Fluß.
„Schakale heulen im Chor vom Hof des verödeten Hauses, im Licht des erschöpften Monds.
„Wenn da ein Wanderer, sein Heim verlassend, herkäme, die Nacht zu wachen und gebeugten Hauptes dem Murmeln der Dunkelheit zu lauschen, wer sollte ihm die Geheimnisse des Lebens in sein Ohr flüstern, wenn ich, meine Tore schließend, mich frei machen wollte von irdischen Banden?


„Es will nicht viel bedeuten, daß mein Haar grau wird.
„Ich bin immer so jung oder so alt wie der Jüngste oder der Älteste in diesem Dorfe.
„Manche haben Lächeln, süß und einfach, und manche ein schlaues Blinzeln in ihren Augen.
„Manche haben Tränen, die aufsteigen im Taglicht, und andere Tränen, die im Dunkel verborgen sind.
„Sie alle bedürfen meiner, und ich habe keine Zeit über das Hernach zu brüten.
„Ich bin mit allen gleichaltrig, was macht es, wenn mein Haar grau wird?“

3

Am Morgen warf ich mein Netz aus ins Meer.
Ich hob aus dunklen Tiefen Dinge von seltsamem Aussehn und seltsamer Schönheit — manche leuchteten wie ein Lächeln, manche glänzten wie Tränen, und manche waren von Röte übergössen wie die Wangen einer Braut. Als ich mit meines Tages Bürde heimkam, saß meine Geliebte im Garten und zerpflückte müßig einer Blume Blätter.
Ich zauderte eine Weile und dann legte ich ihr alles zu Füßen, was ich gehoben hatte und stand schweigsam.
Ihr Blick fiel darauf, und sie sagte: „Was für seltsame Dinge sind das? Ich weiß nicht, wozu sie nützen!“
Ich neigte mein Haupt in Scham und dachte: „Dies alles habe ich nicht im Kampfe erworben, ich habe es nicht auf dem Markt gekauft; es sind keine rechten Geschenke für sie.“
Dann warf ich die ganze lange Nacht eins ums andere auf die Straße.
Am Morgen kamen Wanderer; die lasen’s auf und trugen es in fremde Länder.

4

Ach warum bauten sie mein Haus an die Straße nach dem Marktflecken?
Sie legen mit ihren beladenen Booten an bei meinen Bäumen.
Sie kommen und gehen und wandern nach ihrem Gefallen.
Ich sitze und schaue ihnen zu; mein Leben verrinnt.
Sie fortweisen kann ich nicht. Und so gehen meine Tage dahin.


Nacht und Tag hallen ihre Schritte vor meiner Tür.
Umsonst rufe ich: „Ich kenne Euch nicht.“ In einigen von ihnen spüren meine Finger Bekannte, in andern meine Nüstern, das Blut in meinen Adern scheint sie zu kennen, und manche sind meinen Träumen vertraut.
Sie fortweisen kann ich nicht. Ich rufe sie und sage: „Komm in mein Haus, wer von Euch mag. Ja, kommt!“


Am Morgen erklingt die Glocke vom Tempel. Sie kommen mit ihren Körben in den Händen. Ihre Füße sind wie Rosen gerötet. Das frühe Licht der Dämmerung liegt auf ihren Gesichtern.
Sie fortweisen kann ich nicht. Ich rufe sie und ich sage: „Kommt in meinen Garten Blumen pflücken. Kommt her!“


Am Mittag tönt der Gong am Tore des Palastes.
Ich weiß nicht, warum sie ihre Arbeit verlassen und an meiner Hecke herumstehn.
Die Blumen in ihrem Haar sind fahl und welk. Die Töne ihrer Flöten klingen matt.
Sie fortweisen kann ich nicht. Ich rufe sie und sage: „Der Schatten ist kühl unter meinen Bäumen. Kommt, Freunde!“


Nachts zirpen die Grillen in den Wäldern.
Wer ist es, der da langsam an meine Türe kommt und leise pocht?
Ich sehe das Gesicht kaum, kein Wort wird laut, die Stille des Himmels ist über allem.
Meinen schweigenden Gast fortweisen kann ich nicht. Ich schaue durch das Dunkel in sein Antlitz und träume, während die Stunden verrinnen.

5

Ich bin friedlos. Ich bin durstig nach fernen Dingen.
Meine Seele schweift in Sehnsucht, den Saum der dunklen Weite zu berühren.
O großes Jenseits, o ungestümes Rufen deiner Flöte!
Ich vergesse, ich vergesse immer, daß ich keine Schwingen zum Fliegen habe, daß ich an dieses Stück Erde gefesselt bin für alle Zeit.


Ich bin schlaflos und voll Sehnsucht, ich bin ein Fremder in fremdem Land.
Dein Odem kommt zu mir und raunt mir unmögliche Hoffnungen zu.
Deine Sprache klingt meinem Herzen vertraut wie seine eigene.
O Ziel in Fernen, o ungestümes Rufen deiner Flöte!
Ich vergesse, ich vergesse immer, daß ich den Weg nicht weiß, daß ich das geflügelte Roß nicht habe.


Ich bin ruhelos, ich bin ein Wanderer in meinem Herzen.
Im sonnigen Nebel der zögernden Stunden, welch gewaltiges Gesicht von Dir wird Gestalt in der Bläue des Himmels!
O fernstes Ziel, o ungestümes Rufen deiner Flöte!
Ich vergesse, ich vergesse immer, daß die Türen überall verschlossen sind in dem Hause, wo ich einsam wohne.

6

Der zahme Vogel war in einem Käfig, der freie Vogel war im Walde.
Als ihre Zeit gekommen war, trafen sie sich; so wollte es das Schicksal.
Der freie Vogel ruft: „O Liebster, laß uns zum Walde fliegen.“
Der Vogel im Käfig zwitschert: „Komm her, laß uns beisammen im Käfig leben.“
Sagt der freie Vogel: „Wo ist denn Platz hinter Stäben, seine Flügel zu spreiten?“
„Ach,“ ruft der Vogel im Käfig, „wo sollte ich mich in den Lüften ausruhn ohne Stange?“


Der freie Vogel ruft: „Mein Liebling, singe die Lieder der Wälder.“
Der Vogel im Käfig sagt: „Setz Dich zu mir, ich will Dich unterweisen in der Sprache der Gelehrten.“
Der Waldvogel ruft: „Nein, ach nein! Lieder können niemals gelehrt werden.“
Der Vogel im Käfig sagt: „Weh mir, ich weiß sie nicht, die Lieder der Wälder.“


Ihre Liebe ist heiß, voll Verlangen; doch können sie nie Schwinge an Schwinge fliegen.

Durch die Stäbe des Käfigs schauen sie und sehnen sich vergebens, einander zu kennen.
Sie flattern sehnsüchtig mit ihren Flügeln und singen: „Komm näher, mein Lieb!“
Der freie Vogel ruft: „Es geht nicht, ich fürchte die verschlossenen Türen des Käfigs.“
Der Vogel im Käfig zwitschert: „Weh, meine Flügel sind kraftlos und tot.“

7

O Mutter, der junge Prinz muß an unsrer Tür vorüberkommen — wie kann ich heute Morgen an meine Arbeit denken?
Zeig mir, wie soll ich mein Haar flechten; sag mir, was soll ich für Kleider anlegen?
Warum schaust Du mich so verwundert an, Mutter?
Ich weiß wohl, er wird nicht ein einziges Mal zu meinem Fenster aufblicken; ich weiß, im Nu wird er mir aus den Augen sein; nur das verhallende Flötenspiel wird seufzend zu mir dringen von weitem.
Aber der junge Prinz wird an unsrer Tür vorüberkommen, und ich will mein Bestes anziehn für diesen Augenblick.


O Mutter, der junge Prinz ist an unsrer Tür vorübergekommen, und die Morgensonne blitzte auf an seinem Wagen.
Ich strich den Schleier aus meinem Gesicht, riß die Rubinenkette von meinem Halse und warf sie ihm in den Weg.
Warum schaust Du mich so verwundert an, Mutter?
Ich weiß wohl, daß er meine Kette nicht aufhob; ich weiß, sie ward unter den Rädern zermalmt und ließ eine rote Spur im Staube zurück, und niemand weiß, was mein Geschenk war, noch wem es galt.
Aber der junge Prinz ist an unsrer Tür vorübergekommen, und ich habe den Schmuck von meiner Brust auf seinen Pfad geworfen.

8

Als die Lampe an meinem Bett ausging, wachte ich auf mit den frühen Vögeln.
Ich saß am offenen Fenster, einen frischen Kranz im losen Haar.
Der junge Wanderer kam die Straße entlang im rosigen Nebel des Morgens.
Eine Perlenkette trug er um seinen Hals, und die Sonnenstrahlen fielen auf seinen Scheitel.
An meiner Tür blieb er stehn und fragte ungestüm: „Wo ist sie?“
Vor lauter Scham vermochte ich nicht zu sagen: „‚Sie‘ bin ich, junger Wanderer, ‚sie‘ bin ich.“


Es war Dämmerung, und die Lampe war nicht angezündet.
Gedankenlos flocht ich mein Haar.
Der junge Wanderer kam auf seinem Wagen, im Glühen der untergehenden Sonne.
Seine Pferde schäumten, und Staub lag auf seinem Kleid.
Er stieg ab an meiner Tür und fragte mit müder Stimme: „Wo ist sie?“
Vor lauter Scham vermochte ich nicht zu sagen: „‚Sie‘ bin ich, müder Wanderer, ‚sie‘ bin ich.“


Es ist eine Aprilnacht. Die Lampe brennt in meiner Kammer.
Von Süden schleicht leise die Brise herein. Der lärmende Papagei schläft in seinem Käfig.
Mein Mieder ist von der Farbe der Pfauenkehle, und mein Mantel ist grün wie junges Gras.
Ich sitze auf dem Boden am Fenster und spähe hinaus in die verlassene Straße.
Durch die dunkle Nacht summe ich in einem fort: „‚Sie‘ bin ich, verzweifelnder Wanderer, ‚sie‘ bin ich.“

9

Wenn ich nachts zum Stelldichein gehe, singen keine Vögel, der Wind regt sich nicht, die Häuser an beiden Seiten der Straße stehen schweigsam.
Nur meine eignen Fußspangen werden laut bei jedem Schritt, und ich schäme mich.


Wenn ich auf meinem Balkon sitze und auf seine Schritte lausche, rascheln die Blätter nicht auf den Bäumen, und das Wasser ist still im Fluß wie das Schwert auf den Knien eines schlafenden Wächters.
Nur mein eigenes Herz schlägt wild — ich weiß nicht, wie ich es ruhig halten soll.


Wenn mein Geliebter kommt und bei mir sitzt, wenn mein Leib zittert und meine Augenlider sich senken, wird die Nacht schwarz, der Wind bläst die Lampe aus, und die Wolken ziehen Schleier über die Sterne.
Nur der Edelstein auf meiner eigenen Brust scheint und gibt Licht. Ich weiß nicht, wie ich ihn verbergen soll.

10

Laß deine Arbeit, Braut. Horch, der Gast ist gekommen.
Hörst Du, er rüttelt sacht an der Kette, die die Türe hält?
Sieh zu, daß Deine Fußspangen nicht zu viel Lärm machen, und daß Dein Schritt nicht gar zu eilig ist, wenn Du ihm entgegengehst.
Laß Deine Arbeit, Braut, der Gast ist gekommen mit dem Abend.


Nein, es ist nicht der geisternde Wind, Braut, fürchte Dich nicht.
Es ist Vollmond und Frühlingsnacht; die Schatten im Hof sind fahl; droben der Himmel ist hell.
Zieh den Schleier über Dein Gesicht, wenn Du nicht anders kannst; trag die Lampe zur Tür, wenn Du Angst hast.
Nein, es ist nicht der geisternde Wind, Braut, fürchte Dich nicht.


Sprich kein Wort mit ihm, wenn Du schüchtern bist; tritt zurück von der Tür, wenn Du ihm begegnest.

Stellt er Dir Fragen, kannst Du, wenn Du willst, schweigend die Augen senken.
Laß Deine Armbänder nicht klirren, wenn Du ihn hereinführst, die Lampe in der Hand.
Sprich kein Wort mit ihm, wenn Du schüchtern bist.


Bist Du noch nicht fertig mit Deiner Arbeit, Braut? Horch, der Gast ist gekommen.
Hast Du die Lampe im Kuhstall nicht angezündet?
Hast Du den Opferkorb nicht fertig für den Abendgottesdienst?
Hast Du das rote Glückszeichen nicht auf Deinen Scheitel gelegt und Dich zur Nacht gerichtet?
O Braut, hörst Du, der Gast ist gekommen?
Laß Deine Arbeit!

11

Komm wie Du bist; säume nicht beim Anziehn.
Mag auch Dein geflochtenes Haar aufgegangen sein, Dein Scheitel wirr und Dein Mieder nicht genestelt, achte nicht darauf.
Komm wie Du bist; säume nicht beim Anziehn.


Komm mit schnellen Schritten über das Gras.
Wenn der Rötel von Deinen Füßen weicht, weil Tau liegt, wenn die Schellenbänder um Deine Füße sich lockern, wenn Perlen aus deiner Halskette fallen, achte nicht darauf.
Komm mit schnellen Schritten über das Gras.


Siehst Du, wie sich die Wolken am Himmel ballen?
Schwärme von Kranichen fliegen auf vom fernen Flußufer, und jähe Windstöße stürzen über die Heide.
Das geängstete Vieh flüchtet nach den Ställen im Dorfe.
Siehst Du, wie sich die Wolken am Himmel ballen?

Vergebens zündest Du Deine Lampe am Putztisch an — sie flackert und geht aus im Wind.
Wer merkt denn, daß Du auf Deine Augenlider kein Schwarz gelegt hast? Deine Augen sind dunkler als Regenwolken.
Vergebens zündest Du Deine Lampe am Putztisch an — sie geht aus.


Komm wie Du bist; säume nicht beim Anziehn.
Wenn der Kranz für Dein Haar noch nicht gebunden ist, was machts; wenn die Kette um Dein Handgelenk nicht zu ist, laß sie sein.
Der Himmel ist überdeckt mit Wolken — es ist spät.
Komm wie Du bist; säume nicht beim Anziehn.

12

Wenn Du einmal fleißig sein willst und Deinen Krug füllen — komm, o komm an meinen See.
Das Wasser wird sich um Deine Füße schmiegen und sein Geheimnis ausplappern.
Der Schatten des kommenden Regens liegt über dem Sand, und die Wolken hängen niedrig auf den blauen Linien der Bäume wie das schwere Haar über Deinen Augenbrauen.
Ich kenne ihn gut, den Rhythmus Deiner Schritte, mein Herz geht im gleichen Takt.
Komm, o komm an meinen See, wenn Du Deinen Krug füllen mußt.


Wenn Du müßig sein willst und gedankenlos sitzen und Deinen Krug auf dem Wasser treiben lassen — komm, o komm an meinen See.
Der grasige Abhang leuchtet grün, und die wilden Blumen sind zahllos.
Deine Gedanken werden aus Deinen dunklen Augen schweifen wie Vögel aus ihren Nestern.
Dein Schleier wird auf Deine Füße niederfallen.
Komm, o komm an meinen See, wenn Du müßig sitzen willst.


Wenn Du genug gespielt hast und ins Wasser tauchen willst — komm, o komm an meinen See.
Laß Deinen blauen Mantel am Ufer liegen; das blaue Wasser wird Dich zudecken und verhüllen.
Die Wellen werden auf den Zehen stehn, um Deinen Nacken zu küssen und Dir ins Ohr zu flüstern.
Komm, o komm an meinen See, wenn Du ins Wasser tauchen willst.


Wenn Du Dich toll in den Tod stürzen mußt, — komm, o komm an meinen See.
Er ist kühl und unergründlich tief.
Er ist dunkel wie traumloser Schlaf.
In seinen Tiefen sind Nächte und Tage eins, und Lieder sind Schweigen.
Komm, o komm an meinen See, wenn Du in den Tod hinabtauchen willst.

13

Ich bat um nichts, stand nur am Rand des Waldes hinter dem Baum.
Sehnsucht war immer noch in den Augen der Dämmerung, und Tau war in der Luft.
Der träge Duft des feuchten Grases hing in dünnem Nebel über der Erde.
Unter dem Feigenbaum sah ich Dich die Kuh melken mit Deinen Händen, zart und frisch wie Butter.
Und stumm blieb ich stehen.


Ich sagte kein Wort. Es war der Vogel, der unsichtbar aus dem Dickicht sang.
Der Mangobaum schüttelte seine Blüten auf den Dorfweg, und Biene um Biene summte herbei.
Drüben am Teiche stand das Tor des Shiva-Tempels offen, und die Andächtigen hatten ihre Gesänge begonnen.
Den Eimer im Schoß, sah ich Dich die Kuh melken.
Ich stand immer noch mit meiner leeren Kanne.


Ich kam Dir nicht nahe.

Der Himmel erwachte vom Schall des Gongs am Tempel.
Der Staub ward aufgejagt in der Straße von den Hufen des getriebenen Viehs.
Mit gurgelnden Krügen auf ihren Hüften kamen Frauen vom Fluß.
Deine Armbänder klirrten, und der Krug schäumte über.
Der Morgen verging, und ich kam Dir nicht nahe.

14

Ich wanderte die Straße entlang, ich weiß nicht warum, als der Mittag vorüber war, und die Bambuszweige im Winde raschelten.
Die Schatten fielen mit ausgestreckten Armen zur Erde und klammerten sich an die Füße des davoneilenden Lichts.
Die Kokils hatten sich müde gesungen.
Ich wanderte die Straße entlang, ich weiß nicht warum.


Die Hütte am Wasser ist beschattet von einem überhangenden Baum.
War Eine geschäftig bei ihrer Arbeit, und aus der Ecke tönte die Musik ihrer Armringe.
Ich stand vor dieser Hütte, ich weiß nicht warum.


Der schmale, schlängelnde Weg kreuzt manches Senffeld und manchen Mangowald.
Er führt am Tempel des Dorfes vorüber und an dem Markt bei der Landungsstelle des Flusses.
Ich blieb stehn bei dieser Hütte, ich weiß nicht warum.


Vor Jahren war es, an einem windigen Märztag — das Flüstern des Frühlings war voll Sehnsucht, und Mangoblüten fielen in den Staub.
Das kräuselnde Wasser hüpfte und leckte an dem Messingeimer, der auf der Landungstreppe stand.
Ich denke an jenen windigen Märztag; ich weiß nicht warum.


Die Schatten vertiefen sich und das Vieh kehrt heim zu seinen Hürden.
Das Licht ist grau auf den einsamen Wiesen, und die Bauern warten auf die Fähre am Ufer.
Langsam geh ich meinen Weg zurück, ich weiß nicht warum.

15

Ich laufe, wie ein Bisam läuft im Schatten des Waldes, das toll ist von seinem eigenen Duft.
Die Nacht ist die Nacht der Maienmitte, die Brise ist die Brise des Südens.
Ich verliere meinen Weg, und ich wandre; ich suche, was ich nicht erreichen kann, und ich erreiche, was ich nicht suche.


Aus meinem Herzen steigt und tanzt das Bild meiner eigenen Sehnsucht.
Die lichte Erscheinung entflieht.
Ich versuche sie festzuhalten, sie entgleitet mir und führt mich irre.
Ich suche, was ich nicht erreichen kann, ich erreiche, was ich nicht suche.

16

Hände schlingen sich in Hände, und Augen hangen an Augen: so beginnt die Geschichte unsrer Herzen.
Es ist mondhelle Märznacht; die Luft ist erfüllt vom süßen Duft der He

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